Wie Sie qualifiziertes Personal in und für China finden

von 28. April 20161 Kommentar

Meine Teilnahme an der 5. Deutsch-Chinesischen Personalkonferenz am 19. April in Frankfurt hat für mich einmal mehr bestätigt, wie zunehmend wichtig es für deutsche Unternehmen in China ist, sich den wandelnden Gegebenheiten auf dem chinesischen Arbeitsmarkt anzupassen und als attraktiver Arbeitgeber aufzutreten.

Bis vor nicht allzu langer Zeit waren ausländische Unternehmen in China als Arbeitgeber sehr begehrt. Sie hatten auf einem Arbeitsmarkt mit hoher Fluktuation im Vergleich zu chinesischen Unternehmen die besseren Chancen, hoch qualifiziertes Personal zu finden und zu halten. Das ändert sich gerade: international agierende und sehr erfolgreiche chinesische Unternehmen laufen den Deutschen den Rang ab. Auch hier können ambitionierte junge Chinesinnen und Chinesen mittlerweile sehr gut verdienen und dabei in einem internationalen Umfeld arbeiten, allerdings ohne sich mit interkulturellen Unsicherheiten herumschlagen zu müssen, die ein ausländisch geführtes Unternehmen oft mit sich bringt. Es ist eben doch einfacher, wenn der Chef auch Chinese ist. Da weiß man zumindest wie er tickt, man kann sich besser positionieren, weil man weiß, worauf es ihm ankommt…

Der chinesische Arbeitsmarkt, ein Szenario

Herr Hsiao J. CHIU, Managing Partner der Shanghai JP International Search Consultants Co., Ltd. beschrieb im Rahmen seines Vortrages auf der Konferenz folgendes Szenario:

  • Die Nachfrage nach Fachkräften ist nach wie vor extrem hoch, was zu einer sehr hohen Fluktuationsbereitschaft führt.
  • Die Kandidaten können es sich leisten, selbstbewusst ihre recht hohen Gehaltsvorstellungen zu äußern. Wird dem nicht entsprochen, ist schnell ein neuer Arbeitgeber gefunden.
  • Der finanzielle und gesellschaftliche Druck, der auf den Schultern der Arbeitnehmer lastet, ist hoch. Diesem kann man nur entgehen, indem man den Job immer wieder wechselt, um das Gehalt zu steigern.
  • Es ist schick, für ein renommiertes Unternehmen zu arbeiten, für eine Marke, die jeder kennt. Während es sich früher bei interessanten Marken meist um ausländische – oder ausländisch investierte Unternehmen handelte, steigt die Anzahl der erfolgreichen chinesischen Global Player an, die man als Arbeitgeber gerne vorzeigt.
  • Die Rechte der Arbeitnehmer sind gesetzlich sehr gut abgedeckt.

Aus Sicht der ausländischen Arbeitgeber, so der allgemeine Tenor auf der Konferenz, sind die chinesischen Kandidaten fachlich sehr gut qualifiziert, jedoch fehlt es gerade jungen Leuten an der notwendigen Sozialkompetenz, die bei der Ausführung der meisten Jobs ein Must-have darstellt. Auch interkulturelle Kompetenz ist – was vor dem soziokulturellen Hintergrund nachvollziehbar ist – weniger stark vorhanden, als wir es auf dem lokalen Arbeitsmarkt gewöhnt sind.

Wie finde ich nun passende Kandidaten für eine Stelle?

  • Persönliche Netzwerke: diese spielen nach wie vor eine große Rolle bei der Besetzung von Stellen. Der Beziehungskanal wird von aktiv nach einer neuen Stelle Suchenden zuallererst aktiviert. Dem sollte man Rechnung tragen und sich bei der Suche nach neuem Personal entsprechend im eigenen Netzwerk umhören. Vorsicht ist jedoch geboten, da die angegebenen Qualifikationen und Referenzen oft zweifelhaft sind, oder von vorn herein gar nicht oder nur unzureichend auf die zu besetzende Stelle passen.
  • Social-Media, geführt von LinkedIn. Hier findet man schnell direkten Kontakt zu interessanten Kandidaten, die allerdings nicht immer ihre Profile auf dem aktuellen Stand haben.
  • Externe Personalberatung: diese sind zahlreich in Deutschland und China vorhanden und arbeiten mit  verschiedenen Schwerpunkten. Sie sollten gut ausgewählt sein, zumal die Dienstleistungen kostenintensiv werden können. Besonders ist dieser Weg bei der Besetzung von Stellen im gehobenen Management zu empfehlen.
  • Campus Recruiting und Jobmessen: begrenzt auf Berufseinsteiger.
  • Stellenanzeigen in Online-Portalen und Printmedien: eine zeitaufwändige Methode, die eher rückläufig ist, da die Ausbeute an tatsächlich qualifizierten Bewerbern gering ist.

Was erwarten die Kandidaten?

  • an erster Stelle rangiert hier ein gutes Gehalt. Dies gilt besonders für die jüngere Generation, auf der ein besonders starker gesellschaftlicher Druck lastet.
  • gefolgt wird es von der Work-Life-Balance, die zwar etwas anders definiert wird als in unserem Kulturkreis, aber dennoch in den letzten Jahren bei der Beurteilung eines Jobs beachtlich an Bedeutung gewonnen hat.
  • weiterhin wichtig ist die Aussicht auf eine gute Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und die Karriere auszubauen.
  • Attraktive Nebenleistungen wie z.B. Versicherungen, Wohnung, Firmenwagen und Sozialleistungen runden ein interessantes Vergütungspaket ab.

Recruiting China – Mein Fazit:

In China ist es zunehmend wichtig, sich als ausländisches Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber darzustellen und die Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Dies ist vor dem Hintergrund des bereits erwähnten hohen sozialen und finanziellen Drucks auf den Einzelnen und die damit verbundene hohe Fluktuationsbereitschaft zwar nur bedingt möglich, aber eben auch nicht unmöglich. Auf der Suche nach qualifiziertem Personal sollte man mehrere der oben genannte Kanäle nutzen und davon ausgehen, dass es die “eierlegende Wollmilchsau” in China ebenso wenig gibt wie in Deutschland. Die Zeiten, in denen man als ausländischer Arbeitgeber stets die besten Karten bei der Rekrutierung von qualifiziertem Personal hatte, sind vorbei. Chinesische Unternehmen sind auch hier auf dem Vormarsch, besonders da die Problematik des interkulturellen Verständnisses für die Kandidaten in diesem Kontext wegfällt. Trainings zur Steigerung der interkulturellen Kompetenz sind daher sehr zu empfehlen, um Missstimmungen und unnötigen, zusätzlichen Arbeitsaufwand zu minimieren. Das Training von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die an kulturellen Schnittstellen (in Deutschland und China) arbeiten, erleichtert das tägliche Miteinander erheblich und kann enorm zur Steigerung des persönlichen Wohlempfindens bei der Arbeit im interkulturellen Umfeld beitragen.

 

1 Kommentar

  1. New Horizons Global Partners

    Sehr geehrte Frau Schutzbach,

    vielen Dank für das Teilen Ihres Beitrags.

    Ich stimme Ihnen durchaus zu, dass es für ein ausländisches Unternehmen unabdingbar ist, sich vor Ort als attraktiver Arbeitgeber darzustellen um potentielle Kandidaten für das eigene Unternehmen gewinnen zu können.

    Vorallem deutsche Mittelständler haben zunehmend Schwierigkeiten, dies umzusetzen. Die internationale Konkurrenz ist stark und das Gehaltsniveau, speziell in chinesischen Tier 1 Städten wie Shanghai, Peking oder Guangzhou, steigt von Jahr zu Jahr.

    Aus unserer Sicht sollte dem Mitarbeiter ein langfristiger Plan zum Wachstum innerhalb des Unternehmens vorgelegt werden. Auch regelmäßige und garantierte Trainings in Deutschland können für chinesische Mitarbeiter den Ausschlag geben, sich für ein Unternehmen zu entscheiden.

    Freundliche Grüße
    Sebastian Treliu

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Angelika Schutzbach-Böhme

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